Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt

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Bewertung des Einschleppungs- und Vermehrungspotentials der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) auf Bahnanlagen in Deutschland

Forschungsbericht 11 (2021), Mai 2021, 130 Seiten, PDF, ca. 18 MB

Bewertung des Einschleppungs- und Vermehrungspotentials der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) auf Bahnanlagen in Deutschland

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist ein potentieller Vektor zahlreicher humanmedizinisch relevanter Viruserkrankungen und weist ein sehr aggressives und ausdauerndes Stechverhalten auf. Aufgrund ihrer raschen anthropogenen Verbreitung besteht in Deutschland grundsätzlich im Bereich von Bahnanlagen die Gefahr einer Etablierung.

Sowohl die Ansiedelung als auch die Verbreitung der Stechmücke werden maßgeblich durch das Brutstättenangebot bestimmt. In der vorliegenden Arbeit wurden auf 35 verschiedenen Bahnanlagen alle potentiellen Stechmückenbrutstätten erfasst, klassifiziert und anhand der Parameter „Volumen“, „Abschirmung in Abhängigkeit des Volumens“, „Zulauf“, „Größe der Einflugöffnung“ und „Material“ bezüglich der Eignung als Stechmückenbrutstätte gewertet. Als Ergebnis dieser Bewertung kann für jede Brutstätte die durchschnittliche Anzahl ausfliegender Weibchen der Asiatischen Tigermücke eines Monats angegeben werden.

Bewertung der Brutstätten und des Dichtepotentials von Aedes albopictus entlang der Bahnanlage in Heidelberg-Pfaffengrund. Bewertung der Brutstätten und des Dichtepotentials von Aedes albopictus entlang der Bahnanlage in Heidelberg-Pfaffengrund. Quelle: Björn Pluskota / KABS e. V.

Für die Klärung der Fragestellungen zum Belästigungs- und Gesundheitsrisiko, welches von den „frei beweglichen“ erwachsenen Weibchen der Asiatischen Tigermücke ausgeht, war eine alleinige Darstellung und Berechnung der räumlichen Verteilung der „stationären“ Brutstätten nicht ausreichend. Daher wurde ein Modell erstellt, welches anhand der quantitativen sowie qualitativen Daten des Brutstättenmonitorings und der Auftrittswahrscheinlichkeit von Asiatischen Tigermückenweibchen in Abhängigkeit zur Ursprungs-Brutstätte über ein numerisches Verfahren zur Lösung partieller Differentialgleichungen die räumliche Verteilung von Asiatischen Tigermücken-Weibchen berechnet. Diese als Dichtepotential bezeichnete punktuelle Belastung wurde als „Weibchen der Asiatischen Tigermücke pro Monat und Quadratmeter“ (Weibchen/Monat/m²) definiert.

Anhand der berechneten Dichtepotentiale war es möglich, das Vermehrungspotential im Bereich der Bahnanlagen mit Daten vorausgegangener Monitoring- und Bekämpfungsprojekte zu vergleichen. So ist das Vermehrungspotential der Asiatischen Tigermücke im Bereich von Bahnanlagen je nach Nutzungstyp zwischen äußerst gering bis gering einzuschätzen. Insgesamt scheint daher durch das nutzungstypische Brutstättenangebot der Bahnanlagen keine prinzipielle Gefahr einer Massenentwicklung oder einer erfolgreichen Etablierung der Asiatischen Tigermücke auszugehen. Allerdings war die Stichrobe mit insgesamt 35 untersuchten Bahnanlagen zu klein, um das Vorhandensein unbekannter Brutstätten kategorisch auszuschließen.

Zudem wurde auf der Basis der Beurteilungen des Vermehrungs- und Einschleppungspotentials und unter Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen in Deutschland ein zweistufiges prophylaktisches Brutstätten-Managementkonzept erstellt.

Die hier vorgestellten Ergebnisse wurden im Rahmen des BMVI-Expertennetzwerks erarbeitet, gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur. Weitere Informationen: www.bmvi-expertennetzwerk.de.


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