Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt

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Auswirkungen der Digitalisierung auf den Eisenbahnbetrieb. Ableitung möglicher Veränderungen für den Triebfahrzeugführer

EBA-Forschungsbericht 2019-02, März 2019, 222 Seiten, PDF, ca. 6 MB

Auswirkungen der Digitalisierung auf den Eisenbahnbetrieb
Ableitung möglicher Veränderungen für den Triebfahrzeugführer

In diesem Forschungsvorhaben wurden Literaturrecherchen sowie Expertengespräche hinsichtlich des heutigen und zukünftigen Einsatzes digitaler Anwendungen des Tf durchgeführt. Darüber hinaus wurden für die Analyse des Standes der Technik Triebfahrzeug-Mitfahrten im Personen- und Güterverkehr sowohl im Nah- und Fernverkehr vorgenommen. Arbeitswissenschaftliche Analysen und Bewertungen stützen sich auf die im Rahmen von Mitfahrten und Befragungen von Tf sowie weiteren Betriebspersonalen erzielten Beobachtungen unter Einbezug ergonomischer sowie arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse. Die hieraus abgeleiteten Empfehlungen schließen Erfahrungen einzelner Branchenvertreter ein.

Blickbewegungsanalysen im EUDDplus während eines Beschleunigungsablaufs mit ETCS Quelle: TSB Innovationsagentur Berlin GmbH

Die Literaturrecherchen und Expertengespräche zeigen, dass die Mehrheit der betrachteten Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf eine prädiktive bzw. zustandsbasierte Instandhaltung abzielt und sich Sensor- und Diagnosesysteme bzw. automatisierte Lösungen zu Nutze macht. Neben der Instandhaltung werden eine umfassende Digitalisierung der vormals papierbasierten Kommunikationswege, eine zunehmende Performanzsteigerung des Fahrbetriebs durch Fahrerassistenzsysteme sowie eine Harmonisierung der Zugbeeinflussung und damit verknüpfter Führerraumanzeigen u. a. im Rahmen des European Train Control Systems (ETCS) angestrebt. Die arbeitswissenschaftliche Analyse und Bewertung digitaler Anwendungen im Führerraum ergab mehrere Herausforderungen. So weisen stationär verbaute Führerraumanzeigen eine eingeschränkte Funktionalität und Gebrauchstauglichkeit auf, während mobile Tablet- und Smartphone-Anzeigen häufig nicht auf Seh- und Greifräume des Bedienpersonals abgestimmt wurden. Darüber hinaus fehlt im Fall mobiler Endgeräte in der Regel eine zeit- und ortsabhängige Priorisierung von Informationen. Hieraus ergeben sich negative Folgewirkungen wie Medienbrüche zwischen verschiedenen stationären und mobilen Anzeigen sowie Papierdokumenten, eine Informationsflut und visuelle Mehrfachbelastungen des Tf. Dies kann zu einer Reduktion der Aufmerksamkeit sowie Beeinträchtigung der Fahrleistung des Tf führen.

Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse wird konstatiert, dass mittel- bis langfristig eine Erweiterung des europäischen Einheitsführerpults um ein flexibel nutzbares, auf Bedürfnisse der EVU zugeschnittenes fünftes Display mit standardisierten Schnittstellen zu empfehlen ist. Ein solches, durch die EVU flexibel nutzbares Display bietet die Funktionalität, spezifische Back-End-Systeme und deren Inhalte in den Betriebsablauf zu integrieren. Als kurz- bis mittelfristige Übergangslösung wird empfohlen, dass mobile Endgeräte ergonomisch optimiert in den Führerraum eingebunden werden und dabei die Aktualität sowie zielgruppengerechte Anzeige von betriebsrelevanten Informationen gewährleisten. Der geltende rechtliche Rahmen ermöglicht bereits einen breit gefächerten Einsatz mobiler und allgemein digitaler Arbeits- und Hilfsmittel. Durch eine weitergreifende Detaillierung von Rechtsvorschriften bezüglich des Inhalts von Tf-Schulungen könnte die Aufsichtsbehörde Anreize für die forcierte Umsetzung digitaler Technologien schaffen.

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